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Rhomaleosaurus cramptoni

Internationaler Tag für Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

Posted on 11. Februar 20265. Februar 2026 by Tobias Möser

Heute ist der „Internationale Tag für Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“. Die Wissenschaft ist traditionell männlich besetzt gewesen, was in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten einfach in der Rollenverteilung der Geschlechter lag. Nur sehr wenige Frauen konnten sich im 18., 19. und großen Teilen des 20. Jahrhunderts durchsetzen und in Positionen gelangen, in denen bekannte Forschungsleistungen möglich waren.

Zu den bekanntesten Wissenschaftlerinnen gehör(t)en unter anderem:

Marie Curie

Marie Curie (1867-1934), Physikerin und Chemikerin, entdeckte u.a. die Elemente Polonium und Radium und die radioaktive Strahlung. Sie ist eine von fünf Personen, die mehrfach den Nobelpreis erhielten und eine von zwei Personen, die Nobelpreise auf zwei unterschiedlichen Fachgebieten erhielten.

Maria Montessori

Maria Montessori (1870-1952): Ärztin und Reformpädagogin. Da das Medizinstudium in Italien nur Männern vorbehalten war, studierte sie zunächst Naturwissenschaften, schloss das Studium erfolgreich ab und konnte damit als eine der ersten fünf Frauen in Italien Medizin studieren. Sie arbeitete zunächst im Bereich der Embryologie und der jungen Evolutionstheorie. Montessori spezialisierte sich dann auf Kinderheilkunde und Kinderpsychiatrie. Sie war die erste, die in der Behandlung von geistig behinderten Kindern ein pädagogisches Problem sah und dies publizierte. Viele Jahre mit der Arbeit mit Kindern ließ sie die Montessori-Methode entwickeln.

Lise Meitner

Lise Meitner (1878-1968): Kernphysikerin und Pionierin der Radiochemie, erste Professorin für Physik in Deutschland. Sie entdeckte mehrere radioaktive Isotope, erarbeitete die theoretischen Grundlagen der Kernspaltung. Sie floh vor den Nazis 1938 nach Stockholm, wo sie bis 1946 blieb und wesentliche Teile ihrer Forschung leistete. Obwohl sie mehrfach nominiert war, erhielt sie keinen Nobelpreis.

Emmy Noether

Emmy Noether, eine der bekanntesten Frauen in der Wissenschaft
Portrait von Emmy Noether, vor 1910

Emmy Noether (1882-1935): Mathematikerin, die grundlegende Beiträge zur Abstrakten Algebra und Theoretischen Physik lieferte. Noether absolvierte die „Höhere Töchterschule“, in der nahezu nur gesellschaftlicher Umgang gelehrt wurde, konnte 1903 als Externe die Abiturprüfung ablegen und konnte als eine der ersten Frauen in Bayern studieren. Sie wurde 1907 als zweite deutsche Frau an einer deutschen Universität in Mathematik promoviert, blieb dann ohne offizielle Stellung am Mathematischen Institut der Uni Erlangen. In Göttingen wurde ihr die Habilitation zunächst verweigert. Sie arbeitete dort dennoch, unter anderem mit Albert Einstein, zu dessen Relativitätstheorie sie einen berühmten Beitrag lieferte. 1919 konnte sie als erste Frau in Deutschland dann doch habilitieren. Eine ordentliche Professur erhielt sie dennoch nie. 1933 floh sie vor den Nazis in die USA, wo sie ihre erste angemessen bezahlte Stelle erhielt.

Hannah Arendt

Hannah Arendt (1906-1975): politische Theoretikerin und Publizistin. Sie gilt als wichtige Denkerin des 20. Jahrhunderts. Sie vertrat ein Konzept von „Pluralität“ im politischen Raum. Demnach bestehe zwischen den Menschen eine potentielle Freiheit und Gleichheit in der Politik. Wichtig sei es, die Perspektive des anderen einzunehmen. An politischen Vereinbarungen, Verträgen und Verfassungen sollten auf möglichst konkreten Ebenen gewillte und geeignete Personen beteiligt sein. Aufgrund dieser Auffassung stand Arendt rein repräsentativen Demokratien kritisch gegenüber und bevorzugte Rätesysteme sowie Formen direkter Demokratie.

Rosalind Franklin

Rosalind Franklin (1920-1958): Biochemikerin, Fachfrau für Röntgenstrukturanalyse. Ihre Arbeiten sind zentral für das molekulare Verständnis von Graphit, Ribonukleinsäure und Viren. Franklins Forschung an der DNA war Voraussetzung für die Aufklärung der Doppelhelixstruktur. Sie wurde vermutlich nur wegen ihres frühen Todes nicht am Nobelpreis für die Aufklärung der DNA-Struktur (1962) beteiligt, weil sie vorher an Krebs starb, der mutmaßlich durch die Röntgenstrahlung bei ihrer Arbeit ausgelöst wurde. Nobelpreise werden in der Regel nur an lebende Menschen vergeben.

Vera Rubin

Vera Rubin (1928-2016): Astronomin, beschäftigte sich vorwiegend mit der Erfassung und Verteilung der Dunklen Materie im Weltraum. Sie war hauptsächlich in den USA tätig, wo sie über die Expansion des Universums und Bewegungen von Galaxienhaufen arbeitete und dabei die ersten Hinweise auf Dunkle Materie beobachten und identifizieren konnte. Rubin wurde der Zugang zur Princeton University verweigert worden. In der Folge setzte sie sich besonders für Frauen in der Wissenschaft ein.

Christiane Nüsslein-Volhard

Christiane Nüsslein-Volhard (*1942): Biochemikerin und Genetikerin, die die Steuerung der Embryonalentwicklung entschlüsselt hat. Sie entwickelte die heute noch gültige Gradiententheorie, die darstellt, wie durch Konzentrationsgefälle in der Eizelle und dem Embryo die Genexpression gesteuert wird. Die offenbar universelle Gültigkeit bei Wirbellosen und Wirbeltieren entdeckte sie ebenfalls. Sie erhielt 1995 für diese Arbeit den Nobelpreis für Physiologie.

Francoise Barré-Sinoussi

HIV1-Viren
HIV1-Viruspartikel im Elektronenmikroskop (Bild: CDC, Ewing – Public domain)

Francoise Barré-Sinoussi (*1947): Virologin, die an Retroviren arbeitete und in der Arbeitsgruppe von Luc Montagnier das HI-Virus, Auslöser von AIDS entdeckte. Die Endeckung wurde zeitgleich mit der Arbeit von Robert Gallo publiziert, dennoch gilt sie retrospektiv als die eigentliche Entdeckerin des Virus. Sie erhielt 2008 gemeinsam mit Montagnier den Nobelpreis für Physiologie.

Ann Tsukamoto

Ann Tsukamoto (*1952): Stammzellenforscherin. Sie entwickelte (und patentierte) ein Verfahren, das die Isolierung menschlicher Stammzellen ermöglicht. Tsukamoto zeigte zudem, dass auf diese Weise gewonnene Stammzellen die Behandlung mehrerer Arten von Krebs erleichtern und unterstützen. Quasi als Nebenprodukt ihrer Arbeit vertiefte sie das Verständnis vom Blutsystem von Krebspatienten und zeigte, dass Stammzellen auch in Hirn, Rückenmark und Auge gelangen können. Perspektivisch könnten so schwere Erkrankungen gemindert oder geheilt werden.

Katalin Karikó

Katalin Karikó (*1955): Biochemikerin, die im Bereich der RNA-vermittelten Immunantwort forschte. Sie entdeckte, wie eine einfache Modifikation die Immunogenität von RNA unterdrücken kann. Diese Methode ermöglicht die therapeutische Nutzung von mRNA und bildete die Grundlage für die Entwicklung mRNA-basierter Impfstoffe, u.a. gegen Covid 19. 2023 erhielt Karikó den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Jennifer Doudna

Jennifer Doudna (*1964): Biochemikerin und Molekularbiologin, deren Arbeiten die Grundlage für die „Genschere“ CRISPR legten. Hiermit sind Schnitte an beliebigen Stellen der DNA möglich, was gezieltes Ausschalten von Genen, aber auch das Einschleusen neuer Sequenzen ermöglicht. Sie erhielt 2020 den Nobelpreis für Chemie.

 

Mary Anning

Rhomaleosaurus cramptoni
Einer von Mary Annings Fossilfunden: Rhomaleosaurus cramptoni im Natural History Museum (Foto: Niki Odolphie, CC-BY-2.0)

und natürlich Mary Anning (1799-1847), deren Arbeiten durch die Zusammenarbeit mit Elizabeth Philpot die Bedeutung von Fossilien für die Geologie und Biologie zeigte und so ganz nebenher die Paläontologie als Wissenschaftszweig gründete. Aufgrund ihrer einfachen Herkunft wurde sie zunächst als lokale Hilfskraft der häufig aus begüterten Schichten kommenden Wissenschaftler angesehen, erarbeitete sich aber eine Stellung, deren Wert erst viele Jahrzehnte nach ihrem Tod erkannt wurde. Sandra Seiffart hat bei uns die einzige vollständige deutschsprachige Biographie über Mary Anning veröffentlicht.

 

Der Aktionstag

Der 11. Februar wurde als Aktionstag zur Förderung von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft von den Vereinten Nationen geschaffen und soll deren Engagement und die Öffnung der Wissenschaft für alle Geschlechter fördern. An zahlreichen Hochschulen gibt es hierzu Veranstaltungen, bei denen auch Schülerinnen eingeladen sind. Bei den Studentenzahlen ist in Deutschland mittlerweile eine Parität eingetreten, die Zahl der Frauen, die einen Hochschulabschluss schaffen, ist höher als bei den Männern. Allerdings liegen die Zahlen der weiblichen Promovierten und Professoren (noch) deutlich unter 50%, in den letzten Jahren ist eine deutliche Steigerung zu sehen. Mit dem Wegbrechen der Boomer-Generation an den Hochschulen wird sich der Anteil von Frauen in der Top-Forschung weiter steigern.

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